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The green Blog

  • Anni und Dany

#das Grüne Band - Green travelling IV - Connecting@Destinature

Aktualisiert: 22. Sept 2020

Grenzen überschreiten, dort, wo vor mehr als 30 Jahren eine Mauer Menschen voneinander trennte. Ruhe atmen, wo das Niemandsland zwischen Ost und West einen Graben in die Gesellschaft riss und einen grünen Streifen mit bunter Flora und Fauna hinterließ, der sich auf mehr als 1400 Kilometern durch Deutschland zieht. Wir sind bereit für ein deutsch-deutsches Abenteuer. Unterwegs sind wir natürlich wieder - klimaneutral - zu Fuß. Im Gepäck vor allem unsere Zero Waste-Ambitionen, so dass der selbsthergestellte und eigens gedörrte Proviant »à la Instant« selbstverständlich nicht fehlen darf. Startpunkt unserer grünen Reise ist Heldra, ein kleines Örtchen an der Innerdeutschen Grenze in Hessen, von dort aus werden wir die 700 Kilometer nach Hause gehen, denn die ehemalige Grenze verläuft in unserer Heimat Lübeck nur einmal über den Fluss in sichtnähe.




Begegnungen


Das schönste auf unserer Art der Reise sind die Begegnungen mit Menschen. Von Pia und Gerald, den Wanderern aus Görlitz hatte ich ja bereits berichtet. Unsere Wege hatten sich kurz vorm Harz getrennt, die leise Hoffnung war geblieben, dass wir uns vielleicht irgendwo auf dem Weg nochmals treffen würden. Allerdings schwand die Möglichkeit eines Wiedersehens, denn nach dem Harz hatten wir mal wieder gehadert mit uns und dem Weg, den überteuerten Gaststätten und der großen Hitze, so dass klar war, wir wollen einmal weg vom Grünen Band und ein bisschen städtischen Flair spüren. So setzten wir uns in einen Zug in Richtung Magdeburg und staunten nicht schlecht als bei der Haltestelle Ilsenburg auf einmal Pia und Gerald, die sich auf dem Heimweg befanden, in unser Zugabteil einstiegen. Das Hallo und die Freude waren groß!!! Sie schenkten uns ihre grünen Bänder, die wir sogleich an unsere Rucksäcke knoteten. Dieses Erlebnis setzte bei uns einen Haufen positiver Energie frei, so dass unser Besuch von Magdeburg unter einem guten Stern zu stehen schien.



In Magdburg haben wir nur noch eine, nicht schöne, aber direkt am Bahnhof gelegene Unterkunft bekommen. Mehr als 20 Anfragen bei Couchsurfing verliefen leider im Nirvana des Internetdatenmülls. Doch wir haben einen Termin bei Frau Erna und der macht uns überglücklich - Magdeburg hat einen Unverpackt-Laden und hinter Frau Erna steckt eigentlich Sarah Werner, sie betreibt mit einem Geschäftspartner ihren ganz persönlichen Lebens.Mittelpunkt. Sie empfängt uns so herzlich und hätte uns sogar eine Übernachtung organisiert, doch leider lässt sich unsere Unterkunft nicht mehr stornieren. Egal, denken wir und tauchen ein in ihren Loseladen und sind begeistert, denn hier können wir nicht nur Proviant nachfüllen, sondern tanken Inspiration für zu Hause, bestaunen das große Sortiment und schaukeln.


Schaukeln?! Das geht hier tatsächlich und nicht nur für Kinder, leider aber immernoch mit Mundschutz. Sarah war klar, dass sie in ihrem Lebens.Mittelpunkt auf jeden Fall eine Schaukel hängen haben möchte, sie steht für Freude und Gelassenheit und so schaukel ich gleich drauf los.


Das schöne am Unverpackt-Laden ist, dass man so viel entdecken kann und dass hier einfach der Idee vom verpackungsfreien Leben keine Grenzen gesetzt sind. Hier kommen wir ins Schwärmen. Beeindruckt sind wir auch von der Kühltheke, hier gibt es marinierte vegane Medaillons zum Grillen und sogar Aufstriche im Mehrwegsystem, dass Sarah selbst mit dem Unternehmen vereinbart hat. Liebevoll ist auch ihre Handschrift beim Teesortiment, Frau Erna trinkt Tee "unverpackt", doch die netten Sprüche auf dem Jogitee hat sie immer vermisst. Nun sammelt sie unter den übriggebliebenen Teebeutel-Teetrinkern die kleinen Etiketten und gibt sie den Kunden beim Teekauf mit.







Sarah berichtet, dass auch Ketten wie DM oder Edeka beim Unverpacktsortiment nachziehen. Sorge bereitet ihr das aber nicht, denn sie ist sich sicher, dass sie mit ihrem umfangreichen Angebot ein Alleinstellungsmerkmal hat. Wir geben ihr recht und es kommt noch eine Sache dazu: es ist die große Gastfreundschaft mit der jeder Kunde und auch wir, als völlig fremde Reisende, an diesem Ort aufgenommen und eingeladen werden. Sarah nimmt sich einfach Zeit für uns, gibt uns ein paar Tipps für Magdeburg und schenkt uns für den Weg das Spiel "Planet A". Das ist herzerwärmend und gibt uns ein wunderbares Gefühl! Wir sagen Danke!




Ein Tipp von Sarah führt uns in das Botanica, ein - oder sollte ich besser sagen - DAS vegane Restaurant weit und breit.

Hier gibt es endlich Gemüse und dazu ein tolles Ambiente!






Die Grüne Zitadelle


Das Hundertwasser-Haus besuchen wir ebenfalls und sind - mal abgesehen von der Oberlehrerin (Guide), die uns durch die Grünen Zitadelle führt - angetan. Es lohnt sich, einen Blick auf den Künstler Friedensreich Hundertwasser zu werfen. Klar, ich kenne einige seiner Arbeiten, hab irgendwo vor 15 Jahren in Neuseeland eine Hundertwassertoilette besucht und benutzt und bin unzählige Male beim Hundertwasserbahnhof in Uelzen umgestiegen, doch dass Hundertwasser so ein grüner Bursche war, wusste ich bisher nicht. Er war der festen Überzeugung, dass der Mensch nur im Einklang mit der Natur glücklich wird und die Grüne Zitadelle ist Inbegriff dieser Idee.



In Kunst und Architektur vertrat er die ungerade Linie radikal. Er kämpfte dafür, dass jeder Mensch anrecht auf ein Fenster hat und dieses auch individuell gestalten darf. In seiner Grünen Zitadelle haben sogar Bäume ein Fensterrecht.


Über Hundertwasser lässt sich noch so viel erzählen und ich bin eingenommen von seiner Arbeit und seinen Ideen. Abschließend erfahren wir aber noch, dass Hundertwasser in Neuseeland viele Hektar Land kaufte, um sie der Natur wieder zurückzugeben...