PHOE

NICIA

The green Blog

#Kungsleden - Green Travelling I - Auf nach Lappland

Aktualisiert: 21. Aug.

Und dann sind wir wieder unterwegs, dieses Mal auf dem Königsweg in Schweden, die letzte Wildnis Europas empfängt uns und unseren Wunsch nach Natur, Weite und Abgeschiedenheit. Green Travelling hat uns wieder, mit viel Lust aufs Abenteuer und natürlich klimabewusst mit dem Wunsch, so wenig Fußabdruck wie möglich zu hinterlassen.


Auf die Schienen! Fertig? Los!


Während die schwedische Landschaft am Fenster des Nachtzuges an uns vorüberzieht, sammle ich die ersten Gedanken und tippe sie in mein Handy. Dany macht sich am Rucksack zu schaffen und sammelt ebenfalls: den Proviant für die Fahrt. Nachdem er gerade erfahren hat, dass unser Ticket auch noch ein Frühstück enthält, ist er nun zufrieden und fröhlich und ich bin es auch.


Unser Ziel





Schweden, das Urlaubsziel meiner Kindheit hat uns gepackt und wir wollen samt Rucksack, Wanderschuhen und Zelt hoch in den Norden. Der nördliche Königsweg soll uns von Abisko nach Hemavan führen, mit dabei Rentiere und eine Millionen Mücken, jedenfalls ist es das, was wir immer hören, wenn wir von der anstehenden Wanderung "dort oben" erzählen. Wir werden sehen. Für alle Fälle haben wir ein Netz dabei, darin sehen wir aus wie zwei Imker auf Walz. Insgeheim hoffen wir auch, dass wir die Netze nicht brauchen werden! So wie es auch meist nicht regnet, wenn man einen Regenschirm mit sich trägt - ist doch klar!


Rückblick


Ich liege auf unserem Bett und strecke alle Viere von mir, ein langer Tag liegt bereits hinter mir und die letzte Zeit auf der Arbeit war intensiv und kräftezehrend. Doch mein Rucksack ist fast gepackt und die anstehende Auszeit wie die Aussicht auf ein Funken Glück. Ein bisschen Ausreiß nehmen ist das schon, was wir hier machen - 6 Wochen für uns, weit weg. Es ist Abhauen und gleichzeitig das größte Privileg im Angesicht der ernsten gesellschaftlichen, kriegerischen, krisenbetonten Realität. Umso dankbarer sind wir für diese ausgewohnliche Gelegenheit.


"Wir müssen jetzt los! Hopp Hopp!" reißt mich Dany aus meinen Gedanken. "Ja, ja, hetz mich nicht!" sag ich genervt und packe die letzten Sachen in meinem Rucksack. Dany holt die Waage und ist schockiert, mein Rucksack wiegt nun, wo alles drin ist, zwei Kilo mehr als geplant. Uns packt die Panik, nie wieder wollen wir mit zu vielen Sachen los. Woran können wir sparen? Wir diskutieren und die Zeit läuft. Am Ende landen Teile des Proviants zurück im Schrank und wir sind nun wieder etwas leichter unterwegs, dafür aber spät dran. Im Stechschritt rasen wir noch etwas überwältigt von der Tatsache, dass es jetzt los geht, zum Bahnhof und rollen, kaum dass wir den Zug betreten haben schon mit dem RE von Lübeck nach Kiel. Dort warten wir mit ein paar Verrückten auf die letzte Nachtzug-Verbindung nach Stockholm, auf der wir noch einen Sitzplatz ergattern konnten. Alle anderen Verbindungen waren ausgebucht. Wir sitzen tapfer durch die nächsten Stunden und freuen uns am frühen Morgen in Kopenhagen über einen kurzen Umsteigestop zum Beinestrecken und zwei Tassen Kaffee sowie zwei Backwaren für umgerechnet 19 Euro - Schluck... Wird das ein teurer Trip?!


Grüne Städte




Mittlerweile wissen wir, dass die Ökobilanz von großen Städten gar nicht so schlecht ist und Stockholm sicherlich zu den grünsten Städten Europas gehört, doch irgendwie fühlen wir uns trotzdem überfordert hier. In einer großen Stadt bemerken wir immer wie schön überschaubar unser Lübeck ist und auch irgendwie einfacher. Die Flut an Touristen hier ist beängstigend und nachdem wir uns durch überfüllte Einkaufsstraßen geschoben haben, fallen wir in das viel zu weiche Bett unserer Unterkunft für eine Nacht mitten im Zentrum.


Brød





Eine erste Entdeckung erwartet uns gleich am nächsten Morgen, direkt um die Ecke unserer Unterkunft lässt eine Sauerteigbäckerei mit dem schönen Namen "Fabrique" Danys Bäckerherz schneller schlagen. Die Brötchen und die Kardamombulle, die wir uns aussuchen, schmecken hervorragend. Dazu ein schwarzer Kaffee, was fur ein Start in den Tag! Wir erkunden die Stadt zu Fuß, Grüßen das schwedische Königspaar, und folgen den Palastwachen über die kleine Altstadtinsel, danach geht es weiter immer am Wasser entlang. Da es noch früh ist, sind noch nicht viele Leute unterwegs, nur bei den Bootsfahrten zu den Schären bilden sich Schlangen. Da haben wir keine Lust mitzumachen und biegen ab auf die Insel Djurgården.


Bio-Gärtnerei


Auf der Suche nach nachhaltigen Locations konsultieren wir die Website visitstockholm.com und werden fündig. Nur 40 Fuß-Minuten vom Stadtzentrum entfernt liegt die ökologische Anlage Rosendals Trädgard, eine kleine Gärtnerei mit größerer Apfelplantage, einem Hofladen und einer Holzofenbäckerei mit dem größten Holzofen Stockholms sowie gastronomischen Angebot. Auch hier gibt es Sauerteigbrot, frisches und eingemachtes Gemüse, das hauptsächlich aus der Gärtnerei kommt.



Mit der Eventplanerin Emma kommen wir ins Gespräch, sie pflückt gerade Blüten, die nachher für eine Hochzeitstortendekoration zum Einsatz kommen sollen, denn hier werden auch viele Feiern ausgerichtet. Auch Kurse und Beratungen rund ums Gärtnern sind Teil des Angebots. Emma berichtet uns auch von "krav", ein Zertifikat, das für ökologische Produkte aus Schweden steht und auch in Supermärkten Bioprodukte ausweist.




Wir spazieren durch die Anlage und genießen den Sonnenschein und während Stück für Stück immer mehr Menschen zur Gärtnerei strömen und lange Schlangen vor dem Fika-Buffet bilden, machen wir uns langsam auf den Rückweg und treten den letzten großen Abschnitt unser Anreise an. Mit dem SJ- Nachtzug 94 fahren wir in Richtung Boden C, diesmal im Schlafwagen mit WLAN, so dass ich die ganze Nacht durchschreiben kann.






80 Ansichten1 Kommentar

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen