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The green Blog

  • Anni und Dany

Green travelling in Norway | Session 1/6 - Where the road ends the journey begins!

Aktualisiert: Juni 18


Wir sind dann mal weg - zum Pilgern auf dem Olavsweg von Oslo nach Trondheim - 32 Etappen, 650 Kilometer und rund 20.000 Höhenmeter liegen vor uns und wir berichten in der Rubrik »Green Travelling« von unserem Abenteuer. Wir wollen los, raus in die Natur, unsere Komfortzone verlassen, wenig brauchen und nicht planen. Unser ökologischer Fußabdruck soll dabei so klein wie möglich sein. Ob und wie wir dieses Ziel erreichen, könnt ihr hier verfolgen.

Jeder Tag, so wie er ist

Wir wollen auf unserer Reise jeden Tag so nehmen, wie er ist. Unsere einzige Sorge soll es sein, an welchem Ort wir unser Zelt aufbauen und wie man nach einem Regentag die Sachen wieder trocken bekommt oder, ob eine Forelle auch bei einem unerfahrenen Angler beißt. Wir wollen keine großen Pläne machen, wir wollen wandern, die Natur beobachten und vor allem uns selbst hinterfragen. Was brauchen wir zum Glücklich sein? Wie fühlt es sich an, wenn wir den ganzen Komfort unseres kleinstädtischen Lebens hinter uns lassen? Und ist es möglich, unseren nachhaltigen - aber zugegebenermaßen auch manchmal etwas umständlichen - Lebenstil auf die Reise mitzunehmen? Wo bekomme ich Nudeln zum Abfüllen, wenn unser heißgeliebter Unverpacktladen mehrere hundert Kilometer entfernt ist? Was sagen eigentlich die Norweger zum Thema Zero-Waste? Und dann ist da noch die Frage aller Fragen, werden wir unser Ziel Trondheim erreichen?!

Vorbereitungen

Ob wir unser Ziel erreichen, können wir natürlich jetzt noch nicht wissen, uns ist aber in den letzten Monaten deutlich geworden, dass eine gute Vorbereitung und gutes Equipment die Chancen erhöhen, gesund in Trondheim anzukommen. Bezeichnend finde ich allerdings, dass eine Reise, auf der man vor hat, nichts zu planen, besonders viel Planung im Vorfeld benötigt. Denn nicht zu planen, bedeutet auch, sich für alle Eventualitäten vorbereiten zu müssen. Wenn wir z.B. nicht auf Unterkünfte angewiesen sein wollen, dann müssen wir ein Zelt mitnehmen. Wenn wir ein Zelt dabeihaben, nächtigen wir nicht immer in der Nähe gut ausgebauter Infrastruktur, d.h. wir brauchen z.B. einen Campingkocher und so weiter und so fort... bis der Rucksack voll ist und wir wie zwei Schnecken den Weg entlang kriechen. Um das zu verhindern müssen wir bei jeder Sache, die in unser Gepäck wandert, besonders akribisch prüfen, ob sie wirklich notwendig ist. Und das ist eine echte Herausforderung.

Unsere Sachen

Und das sind sie, unsere Sachen, hier noch schön aufgereiht, von A wie Angel bis Z wie Zelt, wir haben an die wichtigsten Sachen gedacht - das hoffen wir zumindest.

Besonders stolz macht mich der kleine Kulturbeutel, denn hier ist wirklich nur das Nötigste drin, da wiegen die Axt und das Schnitzwerkzeug von Dany doch schon deutlich mehr...

Wie viel unsere Rucksäcke wiegen, wird nicht verraten und das Schwerste kommt dann noch - unser Proviant!

Trekkingnahrung selbstgemacht

Sechs Wochen sind eine lange Zeit, natürlich können wir nicht Essen für die ganze Reise mitnehmen, aber auf ein paar Sachen wollen wir auch nicht verzichten und verpackte Austronauten-Nahrung kommt für uns einfach nicht in Frage, so stieß ich bei der Recherche auf den interessanten Blog freiseindesign.com

Wilderness Guide Johannes Kormann gibt dort umfangreiche Tipps und Rezepte zum Thema »Trekkingnahrung selbst herstellen«. Mit dem Dörrgerät ist das ganz einfach und wir sind fasziniert. Auf dem Bild seht ihr unsere Ergebnisse. Von Apfelchips über selbstgemachte Instantsuppen ist alles dabei, was das Herz begehrt. Noch dazu überrascht uns die neue Leichtigkeit der Lebensmittel - 1.475 Gramm frische Zucchini bringen im gedörrten Zustand nur noch magere 99 Gramm auf die Waage. Beeindruckend!

Kompromissbereit?!

Ja, aber nur mit knirschenden Zähnen, denn nachdem wir alle Lebensmittel unverpackt eingekauft, die Kartoffeln sogar aus unserem Garten geerntet und alles mühsam getrocknet haben, kommt »SIE« nun doch zum Einsatz... die PLASTIKTÜTE und verdirbt unsere Statistik! Dany ist deprimiert und meint vorwurfsvoll, dann hätten wir auch die Fertigsuppen kaufen können. Ich frage ihn, wie er sich das vorgestellt hat und welcher Esel sich anbieten wird, um Mehrweggläser für uns über den Berg zu tragen?! Diese Frage bleibt unbeantwortet...

Doch nach längerer Diskussion reihen wir unseren Proviant schließlich fürs Foto auf und trösten uns damit, dass wir die Tüten wenigstens wiederverwenden werden und einen Großteil unseres Essens selbst hergestellt haben. (An dieser Stelle bitte ich schamerfüllt darum, den »in -2-Minuten-fertig-ich-bin-doch-so-praktisch-und-verbrauche-nur-ganz-wenig-Camping-Gas-Uncle-Benz-Reis« höflich zu ignorieren).

Raw Bites - Energie für zwischendurch

Auch getrocknete Datteln eignen sich besonders gut für die Wanderung, denn sie geben schnell Energie. Einfach so essen, mag ich sie allerdings nicht, mir sind sie viel zu süß. Durch Zufall steiß ich aber auf einen Rohkostriegel bei dm, bei dem die Datteln mit Kakao, Kokosnuss und Cashewmus gemischt wurden, das fand ich interessant und habe einfach auf gut Glück losgelegt:

Rezept

270g Datteln

80g Kokosraspel

10g Kakaopulver (entölt)

15g Kakaobutter

40g Cashewmus

Die Zutaten werden im Mixer oder mit dem Pürierstab feingehexelt, aber vorsicht - nicht jedes Gerät macht bei dieser zähen Masse mit. Nach dem wir zwei Geräte lahmgelegt haben, wird der Teig eine Stunde gedörrt, in kleine Rauten geschnitten und noch warm in Kokosflocken gewälzt. - Wirklich lecker und nicht nur für die Wanderung geeignet!

Ökobilanz

Während ich mich in den letzten Wochen vor der Reise mit einer schmerzenden Schulter rumquäle und osteopathische Hilfe in Anspruch nehme, um das Gepäck dann im wahrsten Sinne des Wortes schultern zu können, bereitet sich Dany geographisch auf unser Abenteur vor. Am 1. August geht es los, von Lübeck nehmen wir die Bahn nach Kiel, danach weiter mit der Color Line-Fähre nach Oslo. Bewusst haben wir uns gegen das Flugzeug entschieden. Wenn man den schwarzen Rauch aus den mächtigen Fährschornsteinen aufsteigen sieht, kann man es nur schwer glauben, aber angeblich ist die Ökobilanz der Fähre deutlich besser als die des Flugzeuges.

Noch ein Gutes hat die 20-stündige Fährüberfahrt, wir haben Zeit, langsam anzukommen und uns auf unsere Auszeit einzustimmen. Die letzten Wochen waren nämlich viel zu hektisch, wir haben nie still gestanden, unsere Leben waren bestimmt durch Verpflichtungen, alles war durchgeplant. Jeden Morgen starrte ich beim Frühstück auf die Postkarte im Küchenregal: "Where the road ends, the journey begins!" kam mir wie eine hämische Lüge vor, doch mit der Aussicht bereits übermorgen Deutschland in Richtung Norwegen zu verlassen, wittert meine Nase nun doch ein Stückchen Freiheit und ich kann nicht mehr abwarten das Ende der Straße zu erreichen, so dass unsere Reise endlich beginnt.

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