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The green Blog

  • Anni und Dany

#das grüne Band - Green travelling II - Zero Waste to go

Aktualisiert: Sept 20

Grenzen überschreiten, dort, wo vor mehr als 30 Jahren eine Mauer Menschen voneinander trennte. Ruhe atmen, wo das Niemandsland zwischen Ost und West einen Graben in die Gesellschaft riss und einen grünen Streifen mit bunter Flora und Fauna hinterließ, der sich auf mehr als 1400 Kilometern durch Deutschland zieht. Wir sind bereit für ein deutsch-deutsches Abenteuer. Unterwegs sind wir natürlich wieder - klimaneutral - zu Fuß. Im Gepäck vor allem unsere Zero Waste-Ambitionen, so dass der selbsthergestellte und eigens gedörrte Proviant »à la Instant« selbstverständlich nicht fehlen darf. Startpunkt unserer grünen Reise ist Heldra, ein kleines Örtchen an der Innerdeutschen Grenze in Hessen, von dort aus werden wir die 700 Kilometer nach Hause gehen, denn die ehemalige Grenze verläuft in unserer Heimat Lübeck nur einmal über den Fluss in sichtnähe.


Einschnitt


Nur eine Woche sind wir unterwegs am Grünen Band, die Tage waren erfüllt, doch die Katastrophe in Beirut, der Hauptstadt von Danys Heimatland, begleitet uns auf dem Weg und wirft seine Schatten in die heißen Augusttage.

Danys Familie, die nur 30 kilometer von Beirut entfernt wohnt, hat die Explosion unbeschadet überstanden. Aber das Herz des Libanons liegt in Trümmern, als wären Misswirtschaft, Korruption, Inflation, Staatsbankrott und Corona nicht schon genug, reißt das Unglück den Libanon nun in einen bodenlosen Fall.


Was nun? Wir sind ratlos. Von hier können wir nicht viel machen und so ist für uns klar, dass wir weiter gehen, mit dabei die Gedanken an die Menschen im Libanon.


Wir erfahren in diesen Tagen auch, dass diverse Chemikalien und Sondermüll aus Europa im Libanon (natürlich auch in Afrika) gelagert werden. Wir wollen den Müll loswerden, zahlen unmengen Geld an dubiose Händler im Ausland, die sich persönlich bereichern. Sauberes Europa und dreckige dritte Welt.... ein Grund mehr unsere grüne Reise fortzusetzen.

Kolonnenweg auf dem Weg nach Weißenborn

Wer denkt, zu Wandern bedeutet per se schon nachhaltig unterwegs zu sein, der täuscht sich. Wart ihr schon mal zu Fuß oder mit dem Rad für ein paar Tage on Tour? Wie viele Müsliriegel, Fertigsuppen und Snacks hattet ihr dabei, die alle einzeln in Plastik eingepackt waren? Ich vermute, eine ganze Menge...


Vielfalt vom Campingkocher


Somit wird die Ernährung zur echten Herausforderung auf unserer grünen Reise. Wir persönlich möchten unterwegs Lebensmittel essen, die Energie geben und die gleichzeitig aus guten Produkten hergestellt wurden. Die obligatorische Nudelterrine fällt für uns nicht in diese Kategorie. Hinzu kommen Berge von Plastik, die wir vermeiden wollen. Gleichzeitig können wir auch nicht erwarten, dass wir im »Out of Nowhere« einen Unverpacktladen finden. So bleibt uns nur eine Möglichkeit, wir müssen unser Essen selbst herstellen. Im letzten Jahr haben wir erste Erfahrungen mit dem Dörrgerät gemacht und dieses Jahr haben wir die Speisenauswahl erweitert. Auf den ersten Etappen begleitet uns daher kulinarische Vielfalt vom Camping-Kocher. Bei den Speisen sind unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt.


Rastplatz im Böseckendorf
Thaigemüse
Linsen-Bolognese
Pfifferlingspfanne
Béchamelsoße
Homemade Müsliriegel

Die Idee für den Messbecher bekam ich vom Blog Freiseindesign, so kann man unterwegs Portionen einteilen und schenkt noch dazu einer PET-Flasche ein neues Leben.


Vom Einweg zum Mehrweg

Instant Food in Kombi mit einer frischen Zucchini vom Bauern

to go


Plastik hat einen unschlagbaren Vorteil - es ist leicht. Daher müssen wir Kompromisse machen. Immerhin gibt es weichmacherfreie Klappdosen, die für die Wanderung optimal geeignet sind. Sie bieten Stauraum für Nahrungsmittel, die man unterwegs kauft, für Reste oder am besten Platz für Beeren & Pilze, die man auf dem Weg findet. Wenn das Essen leer ist, klappt man sie zusammen in ein kleineres Format und kann sie gut verstauen. Ich würde empfehlen, in den Dosen immer nur Essen für den Tag zu packen und die Dose so zu verstauen, dass man auch während der Wanderung gut heran kommt, ohne sich einmal durch den kompletten Rucksackinhalt wühlen zu müssen. In den ersten Wandertagen sammeln wir am Wegesrand diverse Leckereien in die Dosen. Die unzähligen noch nicht reifen Äpfel und Birnen werden nicht eingepackt, aber dennoch probiert.

Mirabellen
Brombeeren
Junge Haselnüsse
Reste vom Frühstück

Sonnenblumenkerne - noch nicht ganz reif

Dieses Jahr tragen wir viel Essen mit uns herum, denn je mehr Essen wir dabei haben, desto autaker sind wir (und desto langsamer :-( ). Ich seh uns schon am Brocken unter unseren eigenen Brocken zusammenbrechen... Naja, was tut man nicht alles für nachhaltiges Reisen?! Klar ist aber auch, dass wir uns nicht die ganze Zeit von unserer gedörrten Nahrung ernähren können, schließlich machen wir kein Survivaltraining, wir werden also auch mal Essen gehen und suchen daher auf dem Weg nach besonderen Einkehr- und Unterbringungsmöglichkeiten.


Der Weg


Einsamkeit und Ruhe kurz vorm Rohrberg

Unsere Freunde aus Göttingen bringen uns an unseren Startpunkt, in das Dorf Heldra. Sie haben uns wohlwissend noch mit zwei Sonnenhüten für die heißen Tage und einer grünen Chili für kalte Nächte ausgestattet, fast zeremonielle hängt sich Dany die feurige Schote an den Rucksack und dann beginnt sie, unsere Wanderung am Grünen Band.



Wir wandern in den ersten fünf Tagen ca 120 Kilometer, der Weg führt uns über bewaldete Hügel bis hin zu Burgen, durch das Eichsfeld, entlang der Werra und zumeist dicht an der Grenze zwischen Thüringen, Hessen und Niedersachsen. Die Temperaturen steigen und die brennende Sonne sowie das Gewicht unserer Rucksäcke nehmen uns voll und ganz mit auf die Reise, raus aus unserem Alltag. Wir genießen die Einsamkeit und Stille, die uns auf dem Kolonnenweg umfangen.








Begegnungen


Wir treffen in den ersten Tagen eine alte Freundin und übernachten mit ihr auf Kloster Hülfensberg. Wir lernen Pia und Gerald aus Görlitz kennen, die ebenfalls auf dem Grünen Band wandern und genießen den Austausch über das Leben in Ost und West bei gutem Wein. Wir sagen dem Blogger Stefan aus Erlangen "Hallo", der aber schnell weiter muss, da er täglich fast zwei Etappen wandert. Wir lassen uns in Kella von einer Dame ihr Leben im 500-Meter Sperrgebiet erzählen und bekommen obendrein frisches Wasser gereicht. Wir nächtigen kostenfrei auf dem Heuboden eines Biohofes in Sickenberg, zelebrieren die Dusche unterm Gartenschlauch und Besitzerin Kristina Bauer kredenzt uns ein First-Class Frühstück in ihrem Gemüsegarten. Wir treffen am Rohrberg auf einen ehemalige Grenzsoldaten, der während seiner Tätigkeit im Einsatz für die DDR jeden Tag darauf hoffte, niemals seine Waffe benutzen zu müssen. Wir werden von Klaus vom Klausenhof (seit dem 15. Jahrhundert ein Wirtshaus) in die traditionelle Wurstherstellung im Eichsfeld eingeführt und er zeigt uns, wie nachhaltig und vernünftig das Schlachten in früheren Zeiten war und was es bedeutet, diese Tradition am Leben zu erhalten, die Schwalben gucken uns dabei über die Schulter. Wir unterhalten uns mit einem Landwirt, dessen familiärer Grundbesitz nach der Gründung der DDR enteignet wurde und der mit dem Einrichten des Grünen Bandes zum Naturschutzgebiet erneut um sein Ackerland fürchten muss. Wir erleben große Gastfreundschaft eines ehemaligen Bürgermeisters, der uns mit einer Flasche seines besten Traubensafts versorgt und uns von seinem Einsatz zur Erhalt des Kolonnenwegs erzählt und werden von der Schulklasse aus Großtöpfer, die wir beim Plogging (eine Mischung aus Wandern und Müllsammeln) im Grünen treffen mit großen Augen angeschaut, als Dany erneut erzählt, dass wir auf dem Weg zum Baden an der Ostsee sind.






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