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The green Blog

  • Anni und Dany

Green living | Session 2 - Mit Beil und Messer


In der Rubrik »Green living« widmen wir uns nachhaltigen Projekten, die wir unterstützenswert finden. Ob Selbstversorger, Handwerkskunst oder Zero-Waste-Initiativen, wir berichten rund um das Thema »Green Living«. Im Fokus dabei stehen Menschen, die unser Interesse geweckt haben. Sie tragen mit ihren Ideen dazu bei, einen Unterschied in der Gesellschaft zu bewirken. Wir nennen sie »Idealisten«, »Optimisten« oder auch scherzhaft-liebevoll »Weltverbesserer«, sie inspirieren dazu, sich auf Dinge zu besinnen, die das Leben bereichern.

Auf Schnitz-Tour im Wendland

Viele Monaten haben wir darauf gewartet, dass der März endlich kommt, denn schon Weihnachten war klar, es geht nach Nieperfitz, ein Dörfchen in den Tiefen des Wendlands. Von unserer Unterkunft in Pommoisel laufen wir zu Fuß, ein Stückchen hinter den Wollschweinen rechts steht das Haus von Michail und Kathy, dann ist das Dorf auch schon wieder zu Ende.

Auf dem Lübecker Kunsthandwerkermarkt in St. Petri im letzten Jahr waren wir auf Michail Schütte aufmerksam geworden. Er präsentierte seine Schnitz-, Wippdrechsel- und Grünholzarbeiten. Wir waren unfassbar beeindruckt! Dass wir Holz lieben, ist ja kein Geheimnis, aber das Kunsthandwerk, was wir dort zum ersten Mal so richtig wahrgenommen hatten, wollte nun durch uns entdeckt werden. Daher meldeten wir uns zum Kurs an!

Wir sind gespannt, denn wir wissen eigentlich noch nicht so recht, was uns erwartet. Es ist ein kalter, ungemütlicher Morgen, die Nacht über hatte es gestürmt und wir fühlten uns in der Unterkunft auf Hof Pommoisel wie in einer anderen Welt, nur umgeben von tosenden Bäumen, doch das flackernde Feuer im Ofen stiftete gleichzeitig große Gemütlichkeit.

In den heiligen Hallen

Die Werkstatt der beiden Kunsthandwerker ist wie eine Kirche für Holzliebhaber und wir stehen ehrwürdig mit drei anderen Teilnehmern um die Werkbank, bestaunen hübsch gemaserte Schalen und Löffel aus Holz. Wir schauen uns an, was wir im Laufe des zweitägigen Kurses so alles verwirklichen können und verstehen auch, dass aller Anfang schwer ist. Dabei ist die Idee einfach: man nehme einen frischgeschlagenen Baumstamm, spalte ihn, bringe ihn mit dem Beil in Form und hoble viele kleine Ecken und Kanten hinein bis die Spähne nur so fliegt und man Stunden später einen Holzlöffel oder ein Stuhlbein hat. Soviel die Theorie...

Kuksa - ein Becher aus Holz

Kuksa - so nennt man die hölzernen Becher, die es uns angetan haben und die wir neben der Unterstützung von Michail und Kathy auch mit Hilfe der Inspiration von Paul Adamsons Buch "A Guide to hand Carved Cups" gestalten wollen. Sie sollen uns auf unserer Wanderung auf dem Olavsweg in Norwegen begleiten, die wir für diesen Sommer geplant haben. In Gedanken sehe ich die hübschen Becher schon an unserem Wanderrucksack hängen... Doch bevor wir die Axt schwingen dürfen, lernen wir ein paar wichtige, grundätzliche Dinge über Grünholzarbeiten. Holz ist ein lebendiges Material, es arbeitet, es trocknet und zieht sich zusammen, das Spalten von Holz ist bei den Grünholzarbeiten von großer Bedeutung, es verringert das Risiko von Rissen bei der Trocknung. Auch die Richtung der Bearbeitung und die Struktur des Baumes spielen eine Rolle... Für mich eröffnet sich eine neue Welt, ich wusste über Holz bisher nicht viel und so stürzen wir uns in die Arbeit frei nach dem Motto: "Ich weiß, dass ich nichts weiß!"

Ich bin tief von dem Handwerk und der dahinterliegenden Theorie, die schon seit so vielen Jahrhunderten existiert, beeindruckt. Dementsprechend fühlen sich meine ersten Schläge zum Spalten des Holzes wirklich unbeholfen an. Ich empfinde großen Respekt für Bäume, Holz und echte, nachhaltige Handwerkskunst.

Könnt ihr euch vorstellen, dass aus diesem Stamm zwei kleiner Becher werden? Ich konnte das nicht!

Stück für Stück

Dany stellt sich geschickter an als ich. Er begreift schnell wie er das Holz bearbeiten muss, um Winkel entstehen zu lassen und Rundungen herauszuarbeiten. Ich schaue die ersten Stunden viel zu und versuche durchs genaue Beobachten einen Zugang zu der richtigen Technik zu finden. Am Anfang ist da nur ein Bild im Kopf, man braucht die Vorstellungskraft, wie etwas am Ende aussehen soll und das ist trotz aufgezeichneter Hilfslinien eine Herausforderung. Von Kathy und Michail bekommen wir zwischendurch immer wieder hilfreiche Tipps und Ideen zur Umsetzung.

Es ist vollbracht

Am Sonntag um 17 Uhr ist es dann vollbracht, die Teilnehmer präsentieren ihre Ergebnisse der Runde.

Schnitzen - unsere neue Leidenschaft

Während Dany seinen Becher bis ins Detail ausgearbeitet hat, ist meine Kuksa noch ein wenig "rustikal". Aber Dany ist so Feuer und Flamme, dass ich mir sicher bin, dass er auch bei meinem Becher noch Hand anlegen wird. Doch erst brauchen wir geeignetes Werkzeug, mit Tipps und Tricks ausgestattet, verlassen wir das Wendland glücklich und zufrieden in Richtung Lübeck.

Gut drei Monate später haben wir nun selbst auch ein paar Schnitzwerkzeuge und ein kleines Beil. Dany hat die Kuksas noch weiter aufgearbeitet und steigt nun bei Sonne und sommerlichen Temperaturen in die Löffel-Massenproduktion ein, denn für die Kuksa braucht man dickere Stämme. Während wir gemeinsam einen kleinen Löffel herstellen, freut sich Dany auf unsere anstehende Wanderung in Norwegen. Er verkündet seine persönliche "Challenge" für unsere Reise: An jedem Tag der Wanderung wird er einen Löffel schnitzen! Das Beil muss also mit, ebenso die zwei kleinen Schnitzmesser sowie Messerschleifzeug. Während ich mich noch frage, was wir anstelle der Schnitzausrüstung zu Hause lassen, präsentiert mir Dany bereits das fertige Exemplar!

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